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"Laufen ist ganz simpel betrachtet die Fortbewegung von einem Punkt zu einem anderen.
Rundkurse, bei denen man an den Ausgangspunkt zurückkehrt, sind so gesehen, unlogisch.
Wozu ist man dort überhaupt losgelaufen? Eine Veranstaltung, die den Lauf selbst auf seinen ursprünglichen Sinn zurückführt und ein Reisen zu Fuß ermöglicht, ist der Fuldahöhenlauf. In sechs Tagesetappen führt er insgesamt 215 km von der Quelle der Fulda unterhalb der Wasserkuppe in der Rhön bis nach Hannoversch-Münden, wo Fulda und Werra den Ursprung der Weser bilden. Die Strecke verläuft weitgehend über den gekennzeichneten Fuldahöhenweg, der sich wiederum in weiten Teilen am Flusslauf der Fulda orientiert. Landschaftslauf pur mit attraktiven Etappenzielen in Fulda, Bad Hersfeld, Rotenburg, Melsungen und Kassel. Städte, die fast trutzig in einer überraschend unberührten Umgebung liegen. Stundenlang kann man durch Wälder und Flusstäler laufen, ohne einem Menschen zu begegnen. Auffällig auch der scharfe Kontrast zwischen ICE-Trasse und Autobahnen mit stetiger Belebung einerseits und völliger Einsamkeit in unmittelbarer Nähe. Neue Weiten tun sich auf, die man zuvor im Zug oder im Auto kaum erahnen konnte. Herrliche Landschaften, einsame Wege, verschlafene Dörfer, zauberhafte Fachwerkstädte, ungewohnte Ausblicke. Wer diesen Weg läuft, hat Zeit. Der Fuldahöhenlauf kennt keine Zeitnahme, es gibt keine Platzierungen, nur Sieger. Jeder gewinnt und zwar völlig neue Eindrücke und Erfahrungen. Die Veranstaltung ist eine Idee von Harald Heyde aus Bad Hersfeld, der inspiriert von der Schweizdurchquerung 'Swiss Jura Marathon', etwas Ähnliches im heimatlichen Bereich anbieten wollte. Mit einem ganz kleinen Team, aber mit umso mehr Energie, Liebe und Hingabe organisierte er den Lauf in diesem Sommer zum fünften Mal. Wer mitläuft, muss aber auch ein bisschen selbst mit organisieren. Die Übernachtungen in den Jugendherbergen etwa. Für Gepäcktransport, Verpflegung und Streckenorientierung ist aber bestens gesorgt. Natürlich sind 215 km Strecke nicht ausgezeichnet, sondern man folgt gekennzeichneten Wanderwegen und erhält täglich spezielle Karten. Ein bisschen Abenteuer ist trotzdem dabei, denn Baustellen, plötzlich gesperrte Brücken und übers Jahr zugewucherte Wege sind nicht immer einzuplanen. So liegt im spontanen Eingehen auf unerwartete Veränderungen auch Symbolisches: Leben heißt Veränderung. Hier erwarten einen keine abgesperrten Strecken, keine Kilometermarkierungen und keine Chipzeitnahme. Hier ist zwischendurch auch mal Zeit, einen Aussichtsturm zu besteigen, um zu sehen, wohin die laufende Reise in der Ferne noch führt. Dass es durch fehlenden Wettkampf zu gruppendynamischen Prozessen kommt und in lockerer Runde gelaufen wird, ist ein gewollter Nebeneffekt. Die einzelnen Tagesetappen sind 35, 52, 27, 38 und 30 km lang und haben schon mal beträchtliche Höhenunterschiede. Wer sich auf diese andere Art der 'Lauf-Reise' einlässt, sollte also schon einige Erfahrung mitbringen, muss das Bestehen der Herausforderung aber nicht fürchten. Angepasstes Tempo, zahlreiche Versorgungsstellen mit entsprechenden Pausen dort sichern das Ankommen. Die Teilnehmerzahl pendelt zwischen 13 und 25, dem Charakter des Laufes angepasst." |
Unter dem Titel 'Null Bock auf Zeiten' schildert Udo Möller im Laufmagazin SPIRIDON seine Eindrücke. |
| Udo Möller | Paul Engel | Andreas Keuchel | Andreas (2) | Thorsten Hoppe | Brunnmeiers |